Eine der ersten Fragen, die sich Schülerinnen und Schüler vor dem Start einer Ausbildung stellen, lautet: Was verdiene ich eigentlich während der Ausbildung? Diese Frage ist absolut berechtigt, denn die Ausbildungsvergütung ist nicht nur ein wichtiger finanzieller Baustein für die eigene Selbstständigkeit, sondern auch ein Zeichen dafür, wie ein Unternehmen seine Auszubildenden wertschätzt. In diesem Artikel erfährst du alles Wichtige rund um Mindestausbildungsvergütung, Tarifverträge und wie sich dein Gehalt während der Ausbildung zusammensetzt.
Die Mindestausbildungsvergütung: Das steht dir gesetzlich zu
Seit 2020 gibt es in Deutschland eine gesetzlich festgelegte Mindestausbildungsvergütung. Das bedeutet: Egal in welchem Ausbildungsberuf du startest, dein Betrieb muss dir mindestens einen bestimmten Betrag zahlen, sofern kein Tarifvertrag gilt. Diese Regelung schützt dich davor, für deine Arbeit zu wenig zu bekommen.
So hoch ist die Mindestvergütung aktuell
Die Mindestausbildungsvergütung steigt jedes Jahr etwas an und richtet sich nach deinem Ausbildungsjahr. Für Ausbildungsverträge, die 2024 beginnen, gelten folgende Beträge:
Mindestvergütung nach Ausbildungsjahr (Start 2024)
Wichtig zu wissen: Diese Beträge sind eine Untergrenze. Viele Unternehmen zahlen deutlich mehr, besonders wenn sie tarifgebunden sind oder in einer gefragten Branche ausbilden.
Warum die Vergütung im Laufe der Ausbildung steigt
Das Prinzip dahinter ist einfach: Je länger du in der Ausbildung bist, desto mehr Erfahrung, Wissen und praktische Fähigkeiten bringst du mit. Deine Arbeitsleistung wird für den Betrieb wertvoller, und das spiegelt sich im Gehalt wider.
Tarifvertrag: Warum er für dein Gehalt entscheidend ist
Ein Tarifvertrag ist eine Vereinbarung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden, die unter anderem Löhne und Gehälter regelt. Bildet ein Unternehmen nach Tarifvertrag aus, bekommst du in der Regel mehr als die gesetzliche Mindestvergütung.
Diese Vorteile bietet eine tarifliche Ausbildungsvergütung
- Höheres Gehalt: Tarifliche Vergütungen liegen oft 20 bis 40 Prozent über der Mindestvergütung
- Planungssicherheit: Die Gehaltsentwicklung ist über die gesamte Ausbildungszeit klar geregelt
- Zusatzleistungen: Häufig gibt es Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder vermögenswirksame Leistungen
- Faire Arbeitszeiten: Auch Arbeitszeiten und Urlaubstage sind meist tariflich geregelt
So findest du heraus, ob ein Betrieb tarifgebunden ist
Frag einfach direkt beim Vorstellungsgespräch oder bei der Bewerbung nach. Seriöse Unternehmen geben diese Information gerne und transparent weiter. Du kannst auch in der Stellenausschreibung nachschauen, ob dort ein Tarifvertrag erwähnt wird.
Was dein Gehalt beeinflusst: Die wichtigsten Faktoren
Die Höhe deiner Ausbildungsvergütung hängt von mehreren Faktoren ab. Hier die wichtigsten im Überblick:
Die Branche macht einen großen Unterschied
Je nach Berufsfeld variieren die Ausbildungsgehälter teilweise erheblich. Hier ein paar Beispiele für durchschnittliche Vergütungen im ersten Ausbildungsjahr:
Durchschnittliche Vergütung im 1. Ausbildungsjahr nach Branche
Weitere Einflussfaktoren auf dein Gehalt
Die Region spielt eine Rolle
In größeren Städten und wirtschaftsstarken Regionen wie München, Stuttgart oder Frankfurt fallen die Ausbildungsvergütungen oft höher aus als in ländlichen Gebieten. Das liegt unter anderem an den höheren Lebenshaltungskosten.
Die Unternehmensgröße zählt
Große Unternehmen und Konzerne zahlen im Durchschnitt mehr als kleine Betriebe. Das bedeutet aber nicht, dass kleine Firmen automatisch schlechter zahlen – oft überzeugen sie mit einer familiären Atmosphäre und intensiver Betreuung.
Was passiert mit deinem Ausbildungsgehalt: Steuern und Abzüge
Genau wie bei einem regulären Gehalt werden auch von deiner Ausbildungsvergütung Abzüge vorgenommen. Das solltest du wissen:
Diese Abzüge erwarten dich
- Sozialversicherung: Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung werden automatisch abgezogen
- Lohnsteuer: Diese fällt meist erst an, wenn dein Gehalt eine bestimmte Grenze übersteigt
- Solidaritätszuschlag: Betrifft in der Regel nur höhere Ausbildungsgehälter
Gut zu wissen
Die meisten Auszubildenden zahlen aufgrund der Steuerfreibeträge kaum oder gar keine Lohnsteuer. Am Jahresende lohnt sich oft eine freiwillige Steuererklärung, denn du kannst dir gezahlte Steuern häufig zurückholen.
Zusätzliche Leistungen neben dem Grundgehalt
Neben der reinen Ausbildungsvergütung bieten viele Betriebe weitere finanzielle Vorteile an, die deine Ausbildung noch attraktiver machen.
Diese Extras solltest du im Blick behalten
- Fahrtkostenzuschuss: Übernahme oder Bezuschussung der Kosten für den Weg zur Berufsschule oder zum Betrieb
- Verpflegungszuschuss: Vergünstigtes Essen in der Kantine oder Essensmarken
- Übernahmegarantie: Manche Unternehmen sichern dir bereits vor Ausbildungsende eine Übernahme zu
- Prämien: Zusätzliche Zahlungen für gute Noten oder erfolgreichen Abschluss
Tipps für Schülerinnen und Schüler bei der Ausbildungsplatzsuche
Wenn du auf der Suche nach dem passenden Ausbildungsplatz bist, solltest du das Gehalt nicht als einziges Kriterium betrachten, aber durchaus als wichtigen Faktor mit einbeziehen.
Darauf solltest du achten
- Vergleiche die Vergütung verschiedener Betriebe in deiner Wunschbranche
- Frage gezielt nach Zusatzleistungen wie Urlaubsgeld oder Fahrtkostenzuschuss
- Informiere dich, ob der Betrieb tarifgebunden ist
- Berücksichtige auch die Übernahmechancen nach der Ausbildung
- Denke an die Region und die damit verbundenen Lebenshaltungskosten
Wie hoch ist die Mindestausbildungsvergütung im ersten Jahr?
Für Ausbildungsverträge, die 2024 beginnen, liegt die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung im ersten Ausbildungsjahr bei 649 Euro pro Monat. Dieser Betrag steigt jedes Jahr leicht an und dient als Untergrenze, viele Betriebe zahlen deutlich mehr.
Muss ich von meiner Ausbildungsvergütung Steuern zahlen?
Ob und wie viel Lohnsteuer anfällt, hängt von der Höhe deines Gehalts ab. Da Auszubildende meist unter dem steuerlichen Freibetrag liegen, zahlen die meisten kaum oder gar keine Lohnsteuer. Sozialversicherungsbeiträge werden allerdings in jedem Fall automatisch abgezogen.
Was ist der Unterschied zwischen Mindestvergütung und Tarifgehalt?
Die Mindestausbildungsvergütung ist eine gesetzliche Untergrenze, die für alle Betriebe ohne Tarifbindung gilt. Ein Tarifgehalt hingegen basiert auf einer Vereinbarung zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern und liegt meist deutlich höher, oft 20 bis 40 Prozent über der Mindestvergütung.
In welcher Branche verdient man während der Ausbildung am meisten?
Besonders gut bezahlt sind Ausbildungen im Gesundheitswesen, im öffentlichen Dienst sowie im Bankwesen. Hier liegen die Vergütungen im ersten Ausbildungsjahr oft bei über 1.000 Euro monatlich. Im Handwerk und in der Gastronomie fallen die Gehälter meist etwas niedriger aus.
Steigt mein Gehalt automatisch mit jedem Ausbildungsjahr?
Ja, die Ausbildungsvergütung steigt in der Regel mit jedem Ausbildungsjahr an, da du mehr Erfahrung und Fachwissen mitbringst. Sowohl bei der gesetzlichen Mindestvergütung als auch bei tariflichen Regelungen ist diese Steigerung fest vorgeschrieben.
