Zahlen, die auf den ersten Blick trocken wirken, können ganze Unternehmen retten oder in die Krise stürzen – klingt spannend, oder? Genau darum geht es beim Controlling: Aus nackten Zahlen werden kluge Entscheidungen. In diesem Artikel erfährst du, was hinter diesem Begriff steckt, warum Unternehmen händeringend Nachwuchs in diesem Bereich suchen und wie du als Schüler oder Schülerin einen echten Einblick in diesen spannenden Berufszweig bekommen kannst.
Was ist Controlling eigentlich genau?
Der Begriff klingt englisch, hat aber mit „kontrollieren“ im Sinne von „überwachen“ nur bedingt zu tun. Controlling bedeutet vielmehr: steuern, planen und lenken. Fachleute im Controlling sammeln Zahlen aus allen Abteilungen eines Unternehmens, werten sie aus und geben der Geschäftsführung Empfehlungen, wohin die Reise gehen soll.
Man kann sich das wie das Cockpit eines Flugzeugs vorstellen: Ohne Instrumente würde der Pilot blind fliegen. Genauso benötigen Unternehmen verlässliche Zahlen, um zu wissen, ob sie profitabel arbeiten, wo Kosten gespart werden können oder welche Produkte sich wirklich lohnen.
Die wichtigsten Aufgabenbereiche im Überblick
- Kostenrechnung: Wie viel kostet die Herstellung eines Produkts wirklich?
- Budgetplanung: Wie viel Geld steht für welche Bereiche zur Verfügung?
- Reporting: Regelmäßige Berichte für die Geschäftsleitung erstellen
- Abweichungsanalyse: Warum weicht die Realität vom Plan ab?
- Investitionsrechnung: Lohnt sich eine neue Maschine oder Software?
Warum ist Controlling für Unternehmen so wichtig?
Rund 70 Prozent aller Unternehmenspleiten in Deutschland lassen sich laut aktuellen Studien der Kreditreform auf mangelnde betriebswirtschaftliche Steuerung zurückführen. Wer seine Zahlen nicht im Blick hat, merkt oft zu spät, dass etwas schiefläuft. Genau hier setzt gutes Controlling an: Es funktioniert wie ein Frühwarnsystem.
Controlling in verschiedenen Unternehmensgrößen
Kleine Betriebe
Oft übernimmt hier der Chef oder die Chefin selbst einfache Controlling-Aufgaben, meist unterstützt durch Steuerberater.
Mittelständische Unternehmen
Hier gibt es häufig eine eigene Controlling-Abteilung mit zwei bis fünf Mitarbeitenden.
Großkonzerne
Ganze Teams mit spezialisierten Rollen wie Finanzcontrolling, Personalcontrolling oder Vertriebscontrolling arbeiten Hand in Hand.
Wie treffen Controller Entscheidungen auf Basis von Zahlen?
Zahlen allein sagen erst mal wenig aus. Erst durch Vergleiche, Trends und Zusammenhänge entsteht daraus wertvolles Wissen. Ein guter Controller schaut sich zum Beispiel an, wie sich die Kosten im Vergleich zum Vorjahr entwickelt haben oder ob ein neues Produkt tatsächlich Gewinn bringt.
Der typische Ablauf einer Controlling-Analyse
Daten sammeln
Zahlen aus Buchhaltung, Vertrieb, Produktion und weiteren Abteilungen werden zusammengetragen.
Daten auswerten
Mit Excel, speziellen Controlling-Programmen oder Business-Intelligence-Tools werden Muster und Trends sichtbar gemacht.
Ergebnisse interpretieren
Was bedeuten die Zahlen konkret für das Unternehmen? Wo liegen Chancen, wo Risiken?
Empfehlung aussprechen
Der Controller bereitet die Erkenntnisse verständlich auf und schlägt konkrete Maßnahmen vor.
Controlling als Ausbildungs- oder Praktikumsthema für Schüler
Das erwartet dich in einem Praktikum im Controlling
Auch wenn Controlling komplex klingt: In einem Schülerpraktikum lernst du die Grundlagen ganz praktisch kennen. Unternehmen gestalten solche Praktika bewusst so, dass du direkt mitarbeiten und echte Aufgaben lösen kannst.
Typische Aufgaben im Praktikum
- Einfache Tabellen in Excel erstellen und auswerten
- Kosten für ein kleines Projekt kalkulieren
- An echten Reportings mitarbeiten
- Zahlen grafisch aufbereiten
Diese Fähigkeiten helfen dir
- Interesse an Mathematik und Logik
- Sorgfältiges, genaues Arbeiten
- Neugier auf wirtschaftliche Zusammenhänge
- Grundkenntnisse in Excel sind ein Plus, aber kein Muss
Welche Ausbildungswege führen ins Controlling?
Der klassische Weg führt meist über ein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Controlling oder Finanzen. Aber auch ohne Studium gibt es gute Einstiegsmöglichkeiten:
| Ausbildungsweg | Dauer | Einstiegsvoraussetzung |
|---|---|---|
| Industriekaufmann/-frau | 3 Jahre | Realschulabschluss |
| Steuerfachangestellte/r | 3 Jahre | Realschulabschluss |
| BWL-Studium mit Schwerpunkt Controlling | 6-7 Semester | Abitur / Fachabitur |
| Duales Studium Controlling | 6-8 Semester | Abitur / Fachabitur |
Warum Unternehmen gezielt Praktikanten für Controlling-Aufgaben suchen
Frischer Blick auf eingefahrene Prozesse
Viele Unternehmen schätzen es, wenn Schülerinnen und Schüler unvoreingenommen an Zahlen und Prozesse herangehen. Oft entstehen dabei überraschend gute Ideen, weil junge Praktikanten Dinge hinterfragen, die im Alltag selbstverständlich geworden sind.
Vorteile für Unternehmen
- Frühzeitiger Kontakt zu potenziellen Auszubildenden
- Entlastung des Teams bei Routineaufgaben
- Neue, unverbrauchte Perspektiven auf Abläufe
- Positive Außenwirkung als ausbildungsfreundlicher Betrieb
Was Betriebe anbieten sollten
- Klare, altersgerechte Aufgabenstellungen
- Einen festen Ansprechpartner während des Praktikums
- Regelmäßiges, konstruktives Feedback
- Einblicke in mehrere Abteilungen, nicht nur Controlling
Konkrete Beispielaufgabe: Eine Mini-Controlling-Analyse
Damit du dir Controlling besser vorstellen kannst, hier ein einfaches Beispiel, wie es in einem Praktikum aussehen könnte:
Aufgabe: Kioskverkauf analysieren
Stell dir vor, ein Unternehmen betreibt einen kleinen Pausenkiosk für Mitarbeitende. Als Praktikant bekommst du die Verkaufszahlen der letzten vier Wochen und sollst herausfinden, welches Produkt am wenigsten Gewinn bringt.
Schritt 1
Einkaufspreis und Verkaufspreis jedes Produkts vergleichen.
Schritt 2
Verkaufte Menge pro Produkt auswerten.
Schritt 3
Gewinn pro Produkt berechnen und Empfehlung abgeben.
Genau solche kleinen, verständlichen Aufgaben zeigen dir, wie spannend und praxisnah Controlling tatsächlich sein kann – weit entfernt von trockener Zahlenschieberei.
Fazit: Zahlen verstehen heißt Zukunft gestalten
Controlling ist weit mehr als reines Rechnen. Es geht darum, aus Informationen kluge Entscheidungen abzuleiten und Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen. Für Schülerinnen und Schüler bietet ein Einblick in diesen Bereich die Chance, wirtschaftliche Zusammenhänge hautnah zu erleben. Unternehmen wiederum profitieren von frischen Ideen und können frühzeitig Talente für sich gewinnen.
Was macht ein Controller oder eine Controllerin genau?
Ein Controller sammelt und analysiert betriebswirtschaftliche Zahlen, erstellt Berichte für die Geschäftsführung und gibt Empfehlungen, wie das Unternehmen wirtschaftlicher arbeiten kann. Dabei geht es um Themen wie Kosten, Budgets und Investitionen.
Brauche ich für ein Praktikum im Controlling besondere Mathekenntnisse?
Nein, ein Grundverständnis für Mathematik reicht völlig aus. Wichtiger sind Sorgfalt, Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen und die Bereitschaft, sich in Excel und einfache Tabellenkalkulationen einzuarbeiten.
Welche Ausbildung führt am schnellsten ins Controlling?
Eine kaufmännische Ausbildung, zum Beispiel als Industriekauffrau oder Industriekaufmann, dauert drei Jahre und bietet einen guten Einstieg. Wer studieren möchte, wählt meist Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Controlling oder Finanzen.
Warum bieten Unternehmen überhaupt Praktika im Controlling für Schüler an?
Unternehmen möchten frühzeitig Kontakt zu potenziellen Auszubildenden aufbauen und profitieren gleichzeitig von frischen, unvoreingenommenen Blickwinkeln auf bestehende Prozesse. Zudem stärkt es das Image als ausbildungsfreundlicher Betrieb.
Ist Controlling nur etwas für große Unternehmen?
Nein, auch kleine und mittelständische Betriebe betreiben Controlling, wenn auch oft in einfacherer Form. Während in Großkonzernen ganze Teams dafür zuständig sind, übernehmen in kleinen Firmen häufig die Geschäftsführung oder der Steuerberater diese Aufgaben.
